Liebe Freunde, sehr geehrte Unterstützer und Aktivisten,
es hat gedauert, jetzt ist es amtlich: Ricardo kommt zurück! Nicht in den leuchtenden Farben, die wir einst für ihn wählten. Er wird in einem Grau erscheinen, das man ihm und uns auf einem Friedhof ohne Grabgestaltungsvorschriften diktiert hat. Die Gemeinde Wallhausen und Ihre Bürger bekommen ihr Grabmal. Wir unterwerfen uns dem kollektiven Diktat der Farblosigkeit – und liefern damit ein strategisches Opfer, das die Kälte des Systems und der Gemeinde erst recht entlarvt.
Am 02.12.2025 hatte Hartmut Schott ein konstruktives Gespräch mit Bürgermeister Andreas Frickinger im Rathaus. Sie vereinbarten, dass die Initiative sechs kompromissbereite Grabgestaltungsvorschläge schriftlich im Rathaus einreicht. Diese Vorschläge sollten als Grundlage für einen lösungsorientierten Dialog zwischen Rathaus, Gemeinderat und der Initiative dienen. Es vergehen drei Monate ohne Rückmeldung auf die eingereichten Gestaltungsvorschläge und ohne Einladung zum Gespräch. Es ist für uns die Verweigerung des Rathauses und des Gemeinderats zum Dialog. Das ist eine herbe Enttäuschung.
Daraufhin wurde am 09.03.2026 ein Antrag auf Genehmigung des Grabmals Ricardo Schott, nach dem vorgelegten Gestaltungsvorschlag 1: Die farbige Figur (130 cm) unseres Sohnes Ricardo wird ohne Natursteinsockel (25 cm) aufgestellt, eingereicht. Dieser Antrag wurde vom Friedhofsamt geprüft und wie folgt beantwortet: „Da nach der Ihnen bekannten verwaltungsgerichtlichen Entscheidung eine auffallende und leuchtende Farbgebung mit der Würde des Friedhofs nicht vereinbar wäre, weisen wir bereits jetzt darauf hin, dass die bisherige Farbgestaltung des Grabmals nicht genehmigungsfähig wäre und ersuchen Sie zur Vermeidung weiterer gerichtlicher Auseinandersetzungen um eine genaue Bezeichnung und Darstellung des Farbtons. Die Angabe „farbige Figur“ ist als Grundlage für eine Genehmigung zu unbestimmt. Wenn die Höhe des Grabmals 130 cm über der Erde nicht überschreitet und eine gedeckte nicht auffallende und leuchtende Farbgebung gewählt wird, kann nach Vorlage der Unterlagen eine Genehmigung in Aussicht gestellt werden.“
Nach diesem Schreiben beugen wir uns dem Diktat der Rathaus-verwaltung und des Gemeinderates. Die gewünschten Unterlagen wurden eingereicht. Am 21.05.2026 haben wir die Genehmigung für das graue Grabmal erhalten. Die graue Grabmal-Version ist keine einvernehmliche Lösung und ist nicht aus konstruktiven Gesprächen mit dem Rathaus entstanden. Sie ist auch kein Kompromiss. Sie ist eine Strategie und ein Konzept, das wir als eine Undercover-Aktion verstehen. Indem wir den Weg der scheinbaren Anpassung wählen, entziehen wir dem System die Reibungsfläche. Wir laufen nicht mit dem Kopf gegen die Wand, wir gehen einfach hindurch. Die Planungen für die nächsten Schritte laufen an. Das Datum für das Errichten des veränderten Grabmals steht aktuell noch nicht fest.
Mit herzlichen Grüßen, vielen Dank für jede Unterstützung und Aktivität!



Diesen Aktivismus brauchen wir, um in Bewegung zu bleiben und den Missstand nicht zu tolerieren. Alle sind eingeladen, sich aktiv zu engagieren. Theodora und Hartmut Schott werden nach drei Jahren Rechtsstreit und der Beseitigung des Grabmals kurz „verschnaufen“. Ihre Leidenschaft für mehr Leben, Freude und Farbe auf dem Friedhof ist ungebrochen. Wir streiten für die freie Grabgestaltung auf Friedhöfen ohne Gestaltungsvorschriften, damit Hinterbliebene ihre persönliche Trauerbewältigungsstätte nach ihren Bedürfnissen gestalten können. Es ist ein Widerstand gegen pietätlose Gewalt an Hinterbliebene.
